Eine gefährliche Mischung

Eines ist sicher: Verunreinigtes Kältemittel aus Fahrzeug-Klimaanlagen kann explosiv oder leicht entflammbar sein! Doch wie erkennst du, ob das Gas in Ordnung ist? Und wie bekommst du es ohne Risiko für Mensch und Umwelt heraus, wenn es kontaminiert sein sollte? Wir stellen dir zwei Methoden vor, mit denen du dieses Problem lösen kannst.

Das Risiko wächst

Die Gefahr, dass sich in einer Klimaanlage verunreinigtes Kältemittel befindet, nimmt zu. Schließlich sind seit dem 01.01.2017 zwei verschiedene Stoffe auf dem Markt:

  • R 134a kommt bei Fahrzeugen zum Einsatz, die vor diesem Datum zugelassen wurden.
  • R 1234yf wird bei allen neu zugelassenen Pkw und Transportern bis 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse verwendet.

Durch die zwei Kältemittel kann es leichter zu Vermischungen kommen. Dazu ist R 1234yf wesentlich teurer als R 134a. Dies führt möglicherweise dazu, dass zukünftig in einigen Märkten andere, nicht zugelassene Kältemittel benutzt werden!

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Zu Beginn des Services sollte daher unbedingt eine Kältemittelanalyse erfolgen! Nur wenn der technische Reinheitsgrad des Kältemittels mindestens 92 oder 95 Prozent beträgt, darf es ganz normal mit dem Klimaservicegerät abgesaugt werden. Wenn es diesen Wert unterschreitet, bleiben zwei andere Möglichkeiten.

Methode 1: „Kühlmittel auf Eis“

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Kontaminiertes Kältemittel kann mit Hilfe von Trockeneis aus der Fahrzeug-Klimaanlage entfernt werden. Dazu musst du eine Recyclingflasche im Trockeneisbad stark abkühlen. Den dadurch entstehenden Druckunterschied nutzt du, um das Gasgemisch aus dem Fahrzeug zu saugen. Da bei diesem Verfahren keine Funken entstehen, kann sich hierbei auch nichts entzünden.

Dennoch hat die Methode einige Nachteile: Trockeneis (CO2) ist giftig und führt auf Grund seiner extrem niedrigen Temperatur von -78,5 °C an ungeschützten Körperstellen sofort zu schmerzhaften Verbrennungen. Außerdem verzögert sich der Service im Zweifelsfall, bis das Eis durch einen Spezialbetrieb geliefert wird. Ebenso muss eine geeignete Recyclingflasche beschafft werden.

Methode 2: „Recovery Only Unit“ (ROU)“

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Wer gefahrlos und effizient kontaminierte Kühlmittel-Mischungen absaugen will, dem bietet sich seit Neuestem eine zweite Möglichkeit: Von MAHLE wurde – in Zusammenarbeit mit mehreren Automobilherstellern – das Spezialgerät „Recovery Only Unit“(ROU) entwickelt. Mit ROU lassen sich Gasgemische in Zukunft deutlich einfacher und sicherer zurückgewinnen als mit der Trockeneis-Methode: in etwa 40 Minuten und nahezu rückstandsfrei!

Die Vorteile von ROU

  • Sicheres Arbeiten: risikolose, zuverlässige und effiziente Rückgewinnung
  • Easy im Handling: leichtes, kompaktes und transportables Gerät
  • Beschleunigter Service: ohne den Einsatz zusätzlicher Mittel
  • Einmalige Technologie: bereits zum Patent angemeldet!

Wie funktioniert die ROU genau?

Bei der ROU handelt es sich um ein kompaktes Gerät, mit dem sich Kältemittel in einem separaten, geschlossenen Kreislauf zurückgewinnen lässt. Es kommt ohne elektrische Bestandteile aus und wird in Verbindung mit einem vorhandenen Klimaservicegerät betrieben.

MAHLE Klimaservicegeräte für R1234yf
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Und so einfach funktioniert das Absaugen:

  • Man verbindet die Hoch- und Niederdruckschläuche des Klimaservicegeräts über die Servicekupplungen mit den entsprechenden Anschlüssen der ROU.
  • Dann verbindet man die Hoch- und Niederdruckschläuche der ROU mit der Fahrzeugklimaanlage.
  • Nun kann man das Klimaservicegerät einschalten und den speziellen ROU-Zyklus starten: Über das Expansionsventil der ROU fließt das Kältemittel in den integrierten Wärmetauscher und beginnt zu verdampfen. Durch die Entspannung des Kältemittels sinkt die Temperatur im Wärmetauscher auf etwa -30 °C und der Absaugprozess startet.
  • Das Kältemittel aus dem Fahrzeug strömt in den integrierten Tank der ROU. Der Prozess dauert etwa 40 Minuten (30 Min. kühlen, 10 Min. heizen), wobei mehr als 92 Prozent des unbekannten Kältemittels bereits während der ersten Minuten abgesaugt werden. Über das eingebaute Manometer lässt sich der Druck im Kältemittelkreislauf überwachen.
  • Anschließend kann man das unbekannte Kältemittel aus der ROU über das Ablassventil flüssig in eine evakuierte Recyclingflasche umfüllen. Der Umfüllvorgang lässt sich in einem Schauglas verfolgen.
  • Der gesamte Vorgang läuft selbstständig ab und wird durch Anweisungen über die Software des Klimaservicegeräts durchgeführt!
  • Anschließend kann das kontaminierte Kältemittel ordnungsgemäß entsorgt werden.

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