Finde den Knackpunkt: Zylinderlaufbuchsen richtig einbauen

Was ist so ziemlich das Schlimmste, was passieren kann, nachdem du einen Motor frisch instandgesetzt hast? Genau – dass er sofort wieder kaputt geht. Wie du dieses ultimative Schreckensszenario umgehen kannst und auf was du beim Ersetzen der Zylinderlaufbuchsen besonders achten musst, erzählen wir dir hier.

Auf Biegen und Brechen – finde die Ursache

Kurz nach dem Wechsel der Zylinderlaufbuchsen erleidet der Motor also einen kapitalen Totalschaden – wie ist das möglich? Das Schadensbild ähnelt sich dabei immer:

Hier wurde der Schaden noch rechtzeitig bemerkt und der Motor nicht gestartet

Du hast den Motor instandgesetzt, neue Kolben und neue Zylinderlaufbuchsen verbaut und kurz nach dem Zusammenbau passiert es dann: Eine oder mehrere Laufbuchsen sind direkt unter dem Bund abgerissen.

Der Schuldige scheint schnell gefunden zu sein - aber die neue Buchse ist nur das Opfer. Die Schadensursache liegt im Einbau selbst. Denn beim Ersetzen der Laufbuchsen oder Bearbeiten des Motorblocks werden häufig folgende Fehler gemacht:

  • 1. Fremdkörper (z. B. Schmutz, Dichtungsreste, Späne, etc.) zwischen Laufbuchse und Bundauflage im Motorblock werden nicht vollständig entfernt
  • 2. Nach der Bearbeitung der Auflagefläche im Motorblock wird der Sitz der Bundauflage nicht angefast
  • 3. Die Bundauflage im Motorblock wird schräg bearbeitet und ist nicht mehr parallel zur Buchse
  • 4. Es wird eine falsche Zylinderkopfdichtung verwendet. Diese hat einen zu geringen Durchmesser und ragt zu weit in Richtung Brennraum
  • 5. Der Zylinderkopf wird geplant aber der Sitz des Feuerschutzrandes wurde nicht nachgearbeitet oder gereinigt

Alle diese Ursachen können zu einer falschen Krafteinleitung beim Anziehen der Zylinderkopfschrauben führen. In Folge entsteht ein Biegemoment an der Bundauflage was zu einem Gewaltbruch führt. Dabei bricht die Buchse unter dem Bund in einem Winkel von ca. 30°.

Beim Knacken, kein Starten

Abgebrochener Buchsenbund mit grober Bruchstruktur
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Wer hört, muss nicht fühlen: bemerkst du das Brechen der Buchse (Knacken) noch während dem Anziehen der Zylinderkopfschrauben, dann kannst du einen Großteil des Schadens grade noch so abwenden. Bleibt der Bruch allerdings ungehört und du startest den Motor, findest du die neue Laufbuchse nur noch in kleinen Stücken im Kurbelgehäuse. In diesem Fall werden die Kolben und eventuell auch der Motorblock schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Brachiale Kräfte, bis die Buchse kracht

Verbogenes Pleuel, deformierter Stahlkolben und das was früher einmal eine Laufbuchse war
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Durch die Hubbewegung des Kolbens arbeitet sich die Laufbuchse nach unten in Richtung Kurbelwelle. Das geht aber nur so lange gut, bis der erste Kolbenring in die entstandene Lücke springt und sich einhakt. Der Kolben zieht dann in der Abwärtsbewegung die Laufbuchse mit nach unten zur Kurbelwelle. Passiert das Ganze unter Volllast und mit entsprechender Drehzahl, bleiben von der Laufbuchse nur noch Bruchstücke übrig. Selbst hochbelastbare Stahlkolben und massive Pleuel können diesen Kräften nicht mehr standhalten und fallen der rohen Gewalt der Kurbelwelle zum Opfer.

Sauberkeit ist die halbe Miete

Wenn du darauf achtest, dass alles schön sauber und frei von Spänen und sonstigen Rückständen ist, ersparst du dir schon mal einiges an Ärger. Wenn du Flächen
z. B. am Zylinderkopf, Bundauflage und Planfläche des Motorblocks bearbeitet hast, musst du unbedingt alle Radien, Fasen und der Feuerschutzrand streng nach Vorgabe behandeln.

Hältst du dich an diese Schritte, steht einer erfolgreichen Motorinstandsetzung nichts mehr im Weg. Weitere Infos hierzu zu anderen Themen findest du in unserer
>> Schadensbroschüre „Motorenteile und Filter“.

 

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